Nyborg: Ein königlicher Schloss am Großen Belt - otdih.pro

Nyborg: Ein königlicher Schloss am Großen Belten und die Tür zur dänischen Inselwelt

Ich bin gerade aus Nyborg zurückgekehrt – einer kleinen Stadt an der Großen Beltsundstraße, in der sich eine der am meisten unterschätzten Burgen Dänemarks befindet. Es handelt sich nicht nur um ein historisches Gebäude, sondern vielmehr um eine Art Tor zwischen den Inseln, durch das einst königliche Schiffe den gesamten Schiffsverkehr kontrollierten. Ich erzähle Ihnen, warum es lohnenswert ist, auf dem Weg zwischen Kopenhagen und Fünen hier vorbeizuschauen.

Nyborg ist zwar kein touristisches Highlight wie Kronborg oder Rosenborg, aber genau deshalb ist es so interessant. Die Stadt liegt an einer engen Stelle der Großen Beltsundstraße, wo die historische Grenze zwischen Seeland und Fünen einen strategischen Punkt für die Kontrolle des gesamten dänischen Seehandels darstellte. Die Burg Nyborg {GOOGLE=55.3033,10.7883} war Residenz der Könige, Ort von Parlamentssitzungen und eine Verteidigungsanlage gegen schwedische Eroberer. Heute ist sie ein lebendiges Museum und keine bloße prächtige Ruine – hier arbeiten Menschen, finden Hochzeiten statt und man spürt die echte Atmosphäre einer mittelalterlichen Festung.

Burg Nyborg: Eine königliche Residenz, die nicht den Königen unterstand

Die Hauptturm der Burg Nyborg mit Blick auf den Innenhof
Der Hauptturm (Hovedtårnet) der Burg Nyborg, datiert auf das 12. Jahrhundert. Von hier aus beobachteten die königlichen Wachen jedes Segel auf der Straße.

Die Burg wurde in den 1170er Jahren von König Waldemar I. als befestigte königliche Residenz erbaut. Das Erste, was ins Auge fällt, sind die dicken Mauern – sie wurden offensichtlich nicht aus ästhetischen Gründen, sondern zur ernsthaften Verteidigung errichtet. Der Hauptturm (Hovedtårnet) stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist 35 Meter hoch. Vom Gipfel aus konnte der König jedes Segel auf der Straße überwachen.

Im 14. Jahrhundert wurde Nyborg zum Ort des Rikssöds (königlichen Reichstags), bei dem Adlige und Geistliche zusammenkamen. Hier wurde 1341 ein königliches Gesetz über die Bauern erlassen, und in den 1380er Jahren fanden Verhandlungen statt, die zur Vereinigung Skandinaviens führten. Mehrere Jahrhunderte lang war die Burg buchstäblich das Zentrum der politischen Macht Dänemarks.

Öffnungszeiten des Museums: April bis Oktober montags bis sonntags 10:00–17:00 Uhr, November bis März dienstags bis sonntags 10:00–16:00 Uhr; an Montagen ist das Museum geschlossen. Der Eintritt in die Burg beträgt für Erwachsene 95 DKK (ca. 13 EUR), Kinder unter 17 Jahren zahlen nichts. Englischsprachige Führungen finden am Wochenende um 11:00 und 14:00 Uhr statt (zusätzlich 50 DKK).

Im Inneren der Burg befinden sich mehrere dauerhafte Ausstellungen. Am besten beginnt man mit den unterirdischen Kammern, deren Wände noch immer von dem Ruß des Mittelalters geschwärzt sind. Anschließend geht es in das zweite Stockwerk, wo Informationen über die königlichen Bräuche sowie die politische Geschichte Dänemarks zu finden sind. Vom Turm aus bietet sich eine Panoramaansicht auf die Große Belte und die Brücke, die heute die Inseln verbindet – genau diese Überfahrt wurde einst von dieser Burg kontrolliert.

Eine Reihe von Fakten, die Sie überraschen werden:

  • Die Burg Nyborg diente 400 Jahre lang als königliche Residenz – länger als jede andere Burg in Dänemark – bis die Königsfamilie im 18. Jahrhundert nach Christiansborg zog.
  • Im Jahr 1658 versuchte der schwedische König Karl X. Gustav, Nyborg einzunehmen, indem er seine Truppen auf dem Eis der Großen Belte landen ließ. Die Burg hielt stand und verhinderte so die Eroberung Dänemarks.
  • Im 17. Jahrhundert wurden an der 100 Meter umfassenden Mauer der Burg acht Feldgeschütze aufgestellt, mit denen jedes Schiff abgewehrt werden konnte, das ohne Genehmigung den Durchgang versuchte.
  • Die unterirdischen Tunnel der Burg, die aus dem 13. Jahrhundert stammen, sind bis heute teilweise noch mit Meerwasser gefüllt und dienen als natürliche Kältespeicheranlage.
  • Während des Zweiten Weltkriegs zerstörten die Deutschen die Burg nicht, da sie von der UNO zum historischen Denkmal erklärt worden war – es handelte sich dabei um eine der wenigen dänischen Festungen, die die Besatzung unbeschädigt überstanden.

Die Große Belte: Eine Meerenge, die trennt und verbindet

Die Große Beltsbrücke, die Seeland und Fünen über die Meerenge verbindet
Die moderne Große Beltsbrücke, sichtbar vom Schloss Nyborg aus. Ihr westlicher Abschnitt gilt als eine der längsten Autobrücken der Welt.

Die Große Beltsbrücke (Storebælt) ist nicht nur eine geografische Trennung zwischen Seeland und Fünen – sie stellt auch eine maritime Grenze dar, die seit Jahrhunderten die Politik Dänemarks beeinflusst hat. Nyborg liegt an der schmalsten Stelle der Meerenge, wo die Wasserbreite etwas mehr als 6 Kilometer beträgt.

Bis 1998 war hier nur eine einzige Überfahrtsmöglichkeit vorhanden: ein Fährschiff, mit dem Reisende etwa 20–30 Minuten benötigten, um die Meerenge zu überqueren. Heute verläuft durch die Meerenge die Große Beltsbrücke (Storebæltsbroen) {GOOGLE=55.2917,10.8150} – eine der beeindruckendsten Brücken Nordeuropas. Ihre westliche Fahrspur für Autos ist 6,6 Kilometer lang und zählt zu den längsten der Welt. Wenn man die Brücke zum ersten Mal überquert, betragen die Gebühren für Autos 402 DKK (54 EUR), für Fahrräder 26 DKK (3,5 EUR); Fußgänger und Motorradfahrer dürfen die Brücke nicht nutzen.

Aber am wichtigsten ist der Ausblick von der Küste Nyborgs auf die Meerenge. Wenn man am Schloss steht und nach Norden blickt, erkennt man die ganze Geschichte Dänemarks: Links verläuft die Linie der modernen Brücke, direkt vor den Augen befinden sich die alten Steinmauern, die einst diese Überfahrt schützten. Das ist nicht nur ein Symbol – es handelt sich dabei um eine physische Grenze zwischen Altem und Neuem.

Nyborg als Stadt: Was man außerhalb des Schlosses unternehmen kann

Die Pfarrkirche St. Margaret in Nyborg Die Kirche St. Margaret, die im 12. Jahrhundert gleichzeitig mit dem Schloss erbaut wurde. Hier sind Mitglieder der Königsfamilie sowie lokale Adlige beigesetzt.

Hafen von Nyborg mit Blick auf das Meer und Yachten
Restaurierter Hafenstrand von Nyborg – von hier aus segelten einst die königlichen Schiffe. Heute liegen hier ruhig Yachten und Touristenboote vor Anker.

Die Stadt Nyborg (mit einer Bevölkerung von 5.000 Menschen) ist ein idyllisches dänisches Städtchen, das von der Erinnerung an seine einstige Größe lebt. Genau das macht seinen Charme aus. Hier sind einige Sehenswürdigkeiten:

Pfarrkirche St. Margareta (Margaretkirken): {GOOGLE=55.3024,10.7855} Gebaut im 12. Jahrhundert gleichzeitig mit der Burg. Im Inneren befinden sich Epitaphien von Königen und Herzögen. Der Eintritt ist frei; Öffnungszeiten sind in der Regel von Montag bis Freitag 10:00–16:00 Uhr.

Havnestrand: Restaurierter Promenadenstrand entlang des Hafens, wo man in Cafés sitzen und die Yachten beobachten kann. Genau von hier aus segelten in der Mittelalterzeit die königlichen Schiffe ab.

Museum für die Geschichte von Nyborg (Nyborg Kulturhistoriske Arkiv): {GOOGLE=55.3045,10.7890} Kleines Museum, das dem Alltagsleben der Einwohner gewidmet ist. Der Eintritt kostet etwa 30 DKK (4 EUR).

Wie man hinkommt und wann man fahren sollte

Mit dem Zug: Von Kopenhagen nach Nyborg fahren die Züge der Linien F und E. Die Fahrzeit beträgt 1 Stunde und 20 Minuten; die Einzelfahrkarte kostet 133 DKK (18 EUR). Die Züge fahren alle Stunden. Der Bahnhof (Nyborg Station) befindet sich in 5 Gehminuten Entfernung von der Burg.

Mit dem Auto: Über die E20 sind es von Kopenhagen aus 90 Kilometer – ca. 1 Stunde und 15 Minuten. Parkplätze in der Nähe der Burg sind gebührenpflichtig: 30 DKK für die erste Stunde, danach 20 DKK pro Stunde (maximal 100 DKK pro Tag).

Dänemark ist ein Paradies für Radfahrer – die Strecke von Kopenhagen nach Nyborg ist durchaus machbar. Es gibt sogar eine spezielle Fährverbindung über die Große Belte für Radfahrer.

Beste Zeit: Mai bis August – in dieser Periode ist die Burg vollständig geöffnet und es finden monatlich nächtliche Führungen durch die Stadt statt („Slotnatten“). Im Winter (November bis März) ist die Öffnungszeit kürzer, aber es gibt deutlich weniger Touristen und die Atmosphäre wird mystischer. September bis Oktober sind ebenfalls ideal: Es ist noch warm, aber die Massen der Touristen haben die Gegend bereits verlassen.

Fünen in der Nähe – warum nicht auch den „Nachbarn“ der Burg besuchen?

Blick auf die Insel Fünen von der Küste von Nyborg aus
Blick auf die Insel Fünen vom Ufer von Nyborg. Früher reisten Reisende mit Schiffen dorthin, bevor die Brücke gebaut wurde.

Nyborg ist eine logische Zwischenstation zwischen Kopenhagen und Fünen. Wenn Sie zur Insel Fünen fahren – der Heimatstadt von Odense sowie des Märchenschreibers Hans Christian Andersen – dann sind 30 bis 45 Minuten Aufenthalt in der Burg eine perfekte Zwischenstation.

Von Nyborg aus sind es mit dem Auto nur 40 Kilometer bis nach Odense, der Hauptstadt Fünens. Viele Touristen verbinden ihren Besuch in Nyborg mit einem Mittagessen in Odense und einem Abend am Ufer von Fünen.

Meerlegenden und verborgene Geschichten

Dänische Erzählungen besagen, dass im Großen Belt der Geist der Königin Margarethe I. haust – jener Frau, die Skandinavien vereinte. Der Legende nach überquerte sie häufig den Sund von einer Burg zur anderen, und ihr Schiff war das schnellste unter allen königlichen Schiffen. Nachts schwören Fischer, ihren gespenstischen Segel zu sehen.

Im 16. Jahrhundert fanden an der Küste von Nyborg mehrere Seeschlachten zwischen dänischen und schwedischen Schiffen statt. Die Kanonen der Burg unterstützten die dänische Flotte, und dank dieser Unterstützung konnte Dänemark mehrfach Angriffe abwehren. Es gibt auch eine Legende, wonach am westlichen Ende der Burgmauern unter Wasser bis heute die Überreste eines schwedischen Fregatten liegen, das im Jahr 1658 versenkt wurde.

Lokale Einwohner behaupten, dass man nachts, wenn man auf den Gipfel des Turms von Nyborg steigt und auf die Brücke blickt, die Lichter längst verschwundener Schiffe sehen kann – Lichter, die Fährleute vor Jahrhunderten beobachtet haben. Vielleicht handelt es sich dabei einfach um das Spiegelbild der Brückenlaternen im Wasser, aber die Atmosphäre nachts ist tatsächlich magisch.

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